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Die Hochwassereinsätze im August 2005: Hochwasseralarm in Hägerau Als am 22. August 2005 um 20.17 Uhr die interne SMS-Alarmierung der Feuerwehr Hägerau die Handys rüttelte, dachte sich wohl keiner der Feuerwehrmänner dass dies der aufwendigste Einsatz in der Geschichte der kleinen Wehr werden würde. Tagelange Regenfälle haben den Boden aufgeweicht und die Flüsse und Bäche ansteigen lassen. Nach Absprache im Kommando wurde die Mannschaft alarmiert um erste Vorbereitungen für die bevorstehende Nacht zu treffen.
Noch während der Vorbereitungen kam bereits der erste besorgte Hausbesitzer und ersuchte die Feuerwehr weit über der Siedlung im Ortsteil Walchen das Wasser abzuleiten. Schon beim Hochwasser im Jahre 2002 wurden die drei Häuser durch einen Hangrutsch beschädigt. Auch zeigte sich bei der ersten Erkundung dass das Sorgenkind Wahlbach erheblich in seinem Element anstieg. Die Feuerwehr Hägerau belud zwei Privatfahrzeuge mit Sandsäcken und begann den Einsatz gegen das Wasser. Da sich das Einzugsgebiet auf die drei Häuser in Walchen in der Gemeinde Holzgau befand wurde erst Rücksprache mit dem dortigen Kommando geführt. Parallel dazu wurde das Auffangbecken des Walbachs mit Sandsäcken erhöht und gleichzeitig ein Bagger angefordert welcher das Becken von Geröll und Steinen räumen sollte. Nachdem die Sandsäcke weit über den Häusern in Walchen ausgelegt wurden und sieben Mann der FF Hägerau den Rückweg angetreten hatten mussten sie feststellen, dass der bereits vermurt war. Als der alarmierte Traktor den Weg frei gemacht hatte, und die Autos bereits fahren wollten ging erneut eine Mure in Richtung Einsatzkräfte ab. Nur dem raschen Handeln der Fahrer und der Mannschaft ist es zu verdanken, dass es keine verletzten Einsatzkräfte bzw Sachschaden an den Fahrzeugen gab. Nach einer knappen Stunde und einer holprigen Retourfahrt waren die Einsatzkräfte wieder in Sicherheit. Danach gings Schlag auf Schlag. Hier und dort Wasser im Keller. Gegen 22.25 Uhr wurden sämtliche Feldwege gesperrt. Der Lech drohte aus den Ufern zu springen. Gegen 23.09 Uhr wurde durch die Feuerwehr Hägerau die Lechtalbundesstraße im Bereich Gemeindegrenze – Walchen und in Richtung Hägerau gesperrt. Nun war der Weiler Walchen abgeschlossen. Ein bereits stationierter Bagger im Auffangbecken des Wahlbachs wurde von der Firma wieder abgezogen. Gegen 01.27 Uhr lässt sich auch dieses Gewässer nicht mehr in sein Bachbett zurückweisen und überschwemmt nahezu das komplette Unterdorf. Zahlreiche Häuser entlang des Wahlbaches hatten nun Wasser im Keller. Die Kellerräume der Schule versanken ebenso wie die Lagerräume der Schuhfirma Scharf im Schlammwasser. Der Girgelbach hat sich bereits ein neues Bachbett über Felder und die Straße vorbei an den Mauern des Hotel Tannenhof gesucht und mit Hangwasser sowie dem vor dem Hotel vorbeiströmenden Lech vereint. Versuche der Feuerwehr mit dem Eigentümer noch Sicherungsmaßnahmen im Keller vorzunehmen scheiterten. Hier mussten die Feuerwehrmänner erneut flüchten und die Kellerräume verlassen als die Fenster dem Druck der Wassermassen nicht mehr standhalten konnten und ihnen regelrecht entgegen flogen. Innerhalb von nur 30 Minuten waren die kompletten Kellerräume mit Bar, Technikraum der Hallenbadanlage, Heizräume, Wellness und Fitnessbereiche sowie Spielzimmer und Lagerräume überflutet. Kein Licht, kein Telefon funktionierte mehr. Nur das Rauschen der reißenden Bäche am Hotel vorbei war zu hören. Ein Glück dass keiner der knapp 80 Hausbewohner samt Gästen zu Schaden kam. Das wahre Ausmaß konnte erst bei Tageslicht ausgemacht werden.
Mit den Pump- und Aufräumarbeiten wurde bereits am folgenden Tag begonnen und dauerten für die Feuerwehr Hägerau bis Donnerstag abends an. Die Feuerwehr Hägerau nahm sich offiziell aus dem Einsatz und stellte ihre Bereitschaft wieder her. Am Freitag und Samstag wurden weitere Aufräum- und Säuberungsarbeiten von der Feuerwehr Hägerau durchgeführt. Auch die folgende Woche waren immer wieder Männer der FF Hägerau im Einsatz um Arbeiten zu erledigen um dem Alltag wieder etwas näher zu kommen. Resümee: Es gab keine Warnung für die Feuerwehr lediglich jene aus dem Rundfunk. Die in den letzten Jahren verfolgte Einkaufspolitik der Feuerwehr hatte sich bewehrt. So war zb die Feuerwehr Hägerau die einzige Wehr im oberen Lechtal welche ein Lager – wenn auch nur gering - mit gefüllten Sandsäcken hatte. Hier waren die lokalen Kenntnisse der Einsatzleiter von Vorteil. So konnte durch die Auslegung weit über der Siedlung in Walchen mit Sicherheit schlimmeres verhindert werden. Wassermengen konnten so abgeleitet werden dass abgehende Muren auf unbewohntes Gebiet abgingen. Die Mengen an Material knapp einen Kilometer von der Siedlung entfernt sprechen für sich. Auch die Erhöhung des Auffangbeckens im Bereich Wahlbach war richtig. Leider wurde der Bagger abgezogen und so war es nur eine Frage der Zeit bis dieser überging. Auch die frühzeitige Straßensperre stellte sich trotz Kritiker als richtig heraus. Spätestens jetzt ist klar, dass der Verkauf des alten KLF ein Fehler der Gemeinde war. So konnte nur durch viel Improvisierung und der Verwendung privater PKWs die Einsatzabwicklung erfolgen. Ein weiterer Vorteil bei den Aufräumarbeiten im Hotel Tannenhof war der von der FF Hägerau erstellte Brandschutzplan. Ein Zurechtfinden in den Kellerräumen zur Bergung der Chemikalien aus dem Hallenbadbereich war vorerst nur mit diesem möglich.
Hervorzuheben ist allerdings die Unterstützung anderer Feuerwehren. So schickte uns die FF Vils Tauchpumpen und Nasssauger, die FF Bach borgte uns sogar ein Handfunkgerät um die Kommunikation aufrecht zu erhalten und reinigte sämtliches Schlauchmaterial. Die Landesfeuerwehrschule half uns mit zwei Schmutzwasserpumpen aus. Aber auch die Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundesheer funktionierte hervorragend. Ein aufrichtiges Dankeschön. Während Hägerau von der Aussenwelt abgeschnitten war drohte uns der Diesel (...Stromerzeugung) auszugehen. Auch hätten sich einige Bewohner von Hägerau eine bessere Kommunikation / Information gewünscht. (Infos nur vom "Hörensagen", Gerüchte etc.) Da auch zahlreiche Kameraden der Feuerwehr Hägerau vom Hochwasser betroffen wurden und der normale Arbeitstag wieder einkehrte war eine Aufarbeitung des Einsatzes im gewohnten Sinne noch nicht möglich. Genaue Fakten und Zahlen können somit noch nicht dargelegt werden. (Links in der Navigationsleiste, die unteren Buttons, führen zu den Fotoalben zum Hochwasser.)
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